Der Amiet-Markt ist der wichtigste Handelsplatz im Grenzgebiet zwischen Sudan und Südsudan. Hier kaufen Hirten der Misseriya ebenso ein wie Dorfbewohner der Ngok Dinka und Vertriebene aus dem sudanesischen Krieg. Am Montag gegen 11.30 Uhr schlugen dort nach Angaben örtlicher Behörden etwa zwölf Drohnengeschosse ein. Mindestens 73 Menschen starben, 19 wurden verletzt.
Getroffen wurde vor allem der Bereich, in dem Benzin und Diesel verkauft werden. Die Feuer breiteten sich schnell aus. Viele Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte Informationsminister Yohana Akol Ngor. Wegen des dichten Qualms musste die Suche nach weiteren Opfern zeitweise abgebrochen werden. Unter den Toten sind Händler aus beiden Staaten und vier Somalier. Ärzte ohne Grenzen versorgte in der Stadt Abyei mehr als 20 Verwundete, darunter Schwerverletzte mit Verbrennungen.
Die Verwaltung von Abyei macht die sudanesische Armee verantwortlich. Ein Militärvertreter erklärte gegenüber der BBC, der Markt habe die paramilitärischen RSF-Milizen mit Treibstoff versorgt. Offiziell schweigt die Armee.
Die Regierung in Juba reagierte scharf. Sie bestellte den sudanesischen Botschafter ein und verurteilte den Angriff aufs Schärfste. Abyei ist reich an Öl und wird von beiden Ländern beansprucht. Eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit, im Friedensabkommen von 2005 vorgesehen, fand nie statt, weil man sich nicht einigen konnte, wer abstimmen darf. Seit 2011 sichern UN-Truppen die Region.
Der Angriff fügt sich in eine Serie. Bereits am Sonntagabend sollen Armeedrohnen in Westkordofan einen Lastwagen mit Trauergästen getroffen haben. Beobachter sprechen dort von rund 150 Toten. Die Vereinten Nationen zeigten sich alarmiert über die zunehmenden Drohnenangriffe, die immer wieder Zivilisten treffen. Seit April 2023 kämpfen die Armee und die RSF um die Macht im Sudan. Mehr als 14 Millionen Menschen mussten fliehen, rund 20 Millionen leiden akuten Hunger. Viele fürchten nun, dass der Krieg auf den Südsudan übergreifen könnte.
