Schon am Dienstag standen die ersten Zelte auf dem Syntagma-Platz gegenüber dem griechischen Parlament. Am Mittwoch folgte dann der große Marsch: In Athen zogen nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen von der Universität zum Parlamentsgebäude, die Organisatoren sprachen von deutlich mehr. Kundgebungen gab es landesweit in über 50 Städten, darunter Thessaloniki, Patras, Larisa und auf Kreta.
Aufgerufen hatten Verbände von Studierenden und Schülern sowie Gewerkschaften der Lehrkräfte, des Hochschulpersonals und des öffentlichen Dienstes. Der Beamtendachverband ADEDY rief für den Tag zum Streik auf. Auch Rentnerinnen und Rentner schlossen sich an. Ihre Forderungen reichen von mehr Geld für Schulen, Universitäten und Kliniken über höhere Löhne und Renten bis zu bezahlbarem Wohnraum für Studierende.
Schüler beklagten überfüllte Klassen, fehlende Lehrkräfte, wachsenden Leistungsdruck und zu wenig Freizeit. Viele Studierende finden in Athen kaum ein bezahlbares Zimmer und verlangten Mietbegrenzungen. Auf Transparenten und in Sprechchören tauchte immer wieder die Parole „Brot, Bildung, Freiheit“ auf, dazu der Ruf, Geld solle in Schulen statt in Kriege fließen.
Bemerkenswert war der Blick über die Grenze. Einige Banner waren auf Französisch geschrieben, und die Demonstrierenden erklärten sich ausdrücklich solidarisch mit den Protesten in Frankreich. „Von Griechenland bis Frankreich kämpfen wir für öffentliche und kostenlose Bildung“, skandierten Schüler. Die Veranstalter sehen ihren Marsch als Teil einer europäischen Bewegung gegen steigende Lebenshaltungskosten.
Die Polizei begleitete den Zug mit einem großen Aufgebot und sperrte umliegende Straßen, manche Geschäfte ließen vorsorglich die Rollläden herunter. Anders als zuletzt in Frankreich blieb es jedoch ruhig: Kurz vor 14 Uhr löste sich die Kundgebung friedlich auf. Der Druck auf die Regierung in Athen dürfte damit dennoch weiter wachsen.
