Ein Erreger, den Fachleute bislang nur aus Rinderställen kannten, ist in Frankreich zum ersten Mal bei einem Menschen gefunden worden. Das teilten die Ministerien für Gesundheit und Landwirtschaft am Donnerstag gemeinsam mit. Betroffen war ein Patient mit stark geschwächtem Immunsystem, der in Lyon wegen einer schweren Grunderkrankung behandelt wurde und Anfang Oktober starb.
Laut Regionalpresse handelte es sich um einen Mann um die sechzig aus dem Département Ain; offiziell bestätigt ist das nicht. Die Behörden halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Hirnkomplikationen vor seinem Tod mit dem Virus zusammenhängen. Ob es ihn tatsächlich getötet oder nur zum Tod beigetragen hat, wird noch untersucht.
Vermutlich steckte sich der Mann über den Stich einer winzigen Gnitze an, einer Mückenart der Gattung Culicoides, im Osten Frankreichs. Dort zirkulierte der Erreger im Frühjahr und Sommer unter Nutztieren. Entdeckt worden war das Shamonda-Virus Mitte der 1960er Jahre in Nigeria; danach tauchte es nur vereinzelt bei Rindern in Afrika und Japan auf. Seit Ende Juli ist es auch in Europa bekannt – inzwischen in einem Dutzend Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Panik sei fehl am Platz, betonen die Behörden: Für die Bevölkerung bestehe derzeit „kein Gesundheitsrisiko“. Es handle sich um einen Ausnahmefall bei einem extrem anfälligen Patienten. Auch die europäische Seuchenbehörde ECDC verweist darauf, dass Gnitzen mit den kühleren Herbsttemperaturen ohnehin weniger aktiv werden.
Dennoch hat Paris die Weltgesundheitsorganisation und das ECDC informiert. Fachleute aus Human- und Tiermedizin sowie Umweltforschung wollen klären, wie der Übersprung auf den Menschen gelingen konnte. Das ECDC will zudem die Labore in Europa beim Testen unterstützen, damit mögliche weitere Fälle nicht übersehen werden.
