Mehr als fünf Jahre lang hatte Kim Aris kein Wort von seiner Mutter gehört. Am Donnerstag durfte er 20 Minuten mit ihr sprechen. Um 14:30 Uhr Ortszeit wurde Aung San Suu Kyi, die frühere De-facto-Regierungschefin Myanmars, von ihrem Hausarrest aus mit der Botschaft des Landes in London verbunden. Dort wartete Aris, begleitet von Vertretern des britischen Außenministeriums, die ihm das Gespräch eine Woche zuvor angekündigt hatten.

Seine Mutter habe „ziemlich gesund“ geklungen, sagte Aris danach der Nachrichtenagentur AFP. Ihre erste Frage habe seinem eigenen Befinden gegolten. Im Gespräch mit Radio Free Asia ergänzte er, die 81-Jährige leide unter einer Sehnenentzündung, die ihre Hand zeitweise unbrauchbar mache. Ärztlich betreut werde sie nur halbjährlich von einem Militärarzt. Über Politik sprachen beide nicht: Allen war klar, dass mitgehört und aufgezeichnet wurde. Stattdessen ging es um fünf Jahre Familiengeschichte.

Suu Kyi sitzt seit dem Militärputsch vom Februar 2021 in Haft und verbüßt eine 18-jährige Strafe. Nach Angaben des Außenministeriums in Naypyidaw wurde die restliche Haft Ende April in Hausarrest an einem festgelegten Wohnort umgewandelt. Das Telefonat sei aus humanitären Gründen und nach den Verfahren des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz genehmigt worden.

Es war bereits das zweite Lebenszeichen innerhalb weniger Tage. Am Montag hatten die Behörden Fotos veröffentlicht, die zeigen, wie die Friedensnobelpreisträgerin ein Paket mit Büchern und einem Brief von König Charles III. entgegennimmt. Beobachter sehen darin eine gezielte Imagepflege: Die Machthaber wollen ihren Status als internationale Paria loswerden.

Für Aris ändert das wenig. Er bleibe „sehr besorgt“ um seine Mutter und hoffe, dass sie bald frei sei.

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