Kein Geld am Automaten, keine Kartenzahlung, kein Login: Für Millionen Bankkunden in Großbritannien begann der Dienstag mit einer bösen Überraschung. Ursache war ein Stromproblem in einem Rechenzentrum, das Google für seine Cloud-Dienste in der Region London betreibt. Kurz nach sieben Uhr Ortszeit fielen dort zahlreiche Dienste aus.
Besonders deutlich traf es die Digitalbank Revolut. Ihre Kunden konnten weder Überweisungen tätigen noch mit Karte bezahlen oder sich überhaupt anmelden. Das Unternehmen beteuerte, Geld und Daten seien jederzeit sicher gewesen. Auch bei Lloyds, der Tochter Halifax und bei HSBC hakte es. Störungsmeldungen gab es zudem für das Immobilienportal Rightmove, den Paketdienst DPD und die Royal Mail, deren Zustellung nach eigenen Angaben aber weiterlief.
Selbst die Justiz war betroffen. Das Videosystem, über das Häftlinge und Anwälte in England und Wales aus der Ferne an Verhandlungen teilnehmen, funktionierte den ganzen Vormittag nicht. Mehrere Termine verzögerten sich.
Gegen Mittag meldete Google, das Problem sei eingedämmt. Am Nachmittag liefen die Systeme für fast alle Kunden wieder, später erklärte der Konzern den Ausfall für behoben. Eine genaue Analyse soll folgen, sobald die interne Untersuchung abgeschlossen ist. Ob betroffene Firmen für entgangene Umsätze entschädigt werden, ist offen; Juristen halten das für schwierig.
Für die britische Finanzaufsicht FCA und die Bank of England ist der Vorfall eine erste Bewährungsprobe. Erst seit Juli überwachen sie Google Cloud, Amazon, Microsoft und Oracle direkt als kritische Dienstleister der Finanzbranche. Beide Behörden verlangen nun Aufklärung. Fachleute sehen eine alte Warnung bestätigt: Wenn sich so viele Firmen auf wenige Anbieter verlassen, kann eine einzige Störung eine ganze Kette von Diensten mitreißen.
