Moskau schickt zwei Signale auf einmal nach Washington. Nach einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in Sankt Petersburg ließ Wladimir Putin am Mittwoch den Amerikaner Stephen Hubbard frei, und der Kreml erklärte sich grundsätzlich bereit, die Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Als Termin nannte Putins Berater Juri Uschakow die Zeit um den 10. November.
Hubbard, ein 74 Jahre alter ehemaliger Lehrer, hatte mehr als vier Jahre in russischer Haft verbracht. Verurteilt worden war er, weil er angeblich als Söldner für die Ukraine gekämpft hatte. Putin begnadigte ihn, Witkoff nahm ihn am Flughafen Pulkowo in Empfang. Anders als bei früheren Freilassungen gab es keinen Gefangenenaustausch. Donald Trump betonte, er habe Putin persönlich um diesen Schritt gebeten und Washington habe nichts dafür hergeben müssen. Seine Schwester sagte, ihr Bruder habe geglaubt, er werde im Gefängnis sterben.
Das Gespräch im Konstantinpalast dauerte nach Kremlangaben fast drei Stunden. Witkoff kam direkt aus Oslo, wo er tags zuvor Wolodymyr Selenskyj und europäische Vertreter getroffen hatte, und brachte nach eigenen Worten Papiere mit Ideen für ein Friedensabkommen mit. Uschakow fand darin wenig, was die Krise lösen könne. Thema der geplanten Runde soll vor allem sein, wie die Sicherheit Russlands und der Ukraine nach Kriegsende garantiert werden kann. Jared Kushner war krankheitsbedingt nur per Video zugeschaltet.
Witkoff nannte Putin dabei einen „Humanisten“, was in Kiew und Europa für Stirnrunzeln sorgen dürfte. Der Kremlchef wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder gesucht. Zugleich ist das Verhältnis zwischen Washington und Kiew angespannt, unter anderem wegen Einschränkungen beim militärischen Satellitendienst Starshield.
Einen schnellen Durchbruch erwartet kaum jemand. Russland hält an seinen Maximalforderungen fest, darunter die vollständige Kontrolle über die Region Donezk, und setzt die Luftangriffe auf ukrainische Städte fort. Die Freilassung Hubbards ist deshalb vor allem eine Geste an Trump, kurz vor den Zwischenwahlen in den USA.
