Die Meteorologen der Vereinten Nationen schlagen Alarm. Das laufende El-Niño-Ereignis könnte so stark werden wie keines seit Beginn der modernen Aufzeichnungen vor rund vierzig Jahren. Nach dem neuen saisonalen Ausblick der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) könnte sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik zwischen November und Januar um 3,8 Grad über das Normalmaß erwärmen.
Zum Vergleich: Schon ein halbes Grad reicht, damit die WMO von El Niño spricht. Die bisherigen Rekordereignisse lagen bei etwa drei Grad – und hatten bereits weltweit schwere Folgen. „Wir sind jenseits dieser Grenze“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in Genf. Der Höhepunkt wird um den Jahreswechsel erwartet, die Auswirkungen dürften aber weit ins kommende Jahr reichen.
El Niño ist ein natürliches Klimamuster und keine Folge des Klimawandels; die Erderwärmung kann solche Phasen aber verstärken. Typisch sind verschobene Regenmuster: In Ostafrika droht während der Regenzeit Hochwasser, im südlichen Afrika dagegen Trockenheit, die Ernten und Viehherden gefährdet. Südostasien muss mit Hitze und Wassermangel rechnen – in Indonesien brennen Wälder und Torfböden schon seit Monaten. Mittelamerika und Teile des Amazonasgebiets könnten austrocknen, während im Nordwesten der USA und im Süden Südamerikas mehr Regen fallen dürfte.
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher fand drastische Worte und nannte das Phänomen eine „Abrissbirne“. Rund 50 Millionen Menschen könnten zusätzlich von Hunger bedroht sein. Besonders gefährdet seien Flüchtlinge und Bewohner von Konfliktgebieten.
Beide Organisationen setzen deshalb auf Vorsorge statt Nothilfe im Nachhinein. Für Somalia, Äthiopien und Kenia, so Fletcher, entscheiden die kommenden zwei Wochen, ob Geld und Hilfsgüter rechtzeitig vor dem Starkregen vor Ort sind.
