Kurz vor Mitternacht bebte im Norden Tibets die Erde. Um 22:33 Uhr Ortszeit am Donnerstag erschütterte ein Erdstoß der Magnitude 7,0 den Kreis Baqen, der zur Stadt Nagqu gehört. Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen mindestens 16 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten schwankt je nach Meldung zwischen 46 und 54; elf von ihnen sollen schwer verletzt sein.

Das Zentrum des Bebens lag laut der US-Erdbebenwarte USGS in dünn besiedeltem Bergland, rund 190 Kilometer von Nagqu und etwa 390 Kilometer von der Regionalhauptstadt Lhasa entfernt. Der Herd befand sich in nur zehn Kilometern Tiefe, was die Erschütterungen an der Oberfläche besonders heftig macht. Insgesamt 339 Häuser stürzten ein oder wurden beschädigt, dazu kommen 20 Ställe für Vieh – in einer Region, in der viele Familien von Yaks und Schafen leben.

Peking reagierte noch in der Nacht. Die nationale Erdbebenbehörde rief die zweithöchste Alarmstufe aus, Tibet selbst aktivierte seinen eigenen Notfallplan. Mehr als 300 Polizisten, gut 340 Feuerwehrleute sowie über 300 Soldaten mit rund 20 Fahrzeugen machten sich auf den Weg ins Bebengebiet. Eine Drohne der Luftwaffe überflog das Gelände und lieferte Livebilder. Mindestens eine verschüttete Person konnte nach Behördenangaben lebend geborgen werden.

Die größte Gefahr für die Überlebenden ist nun die Kälte. Auf dem Hochplateau fallen die Temperaturen im Oktober nachts deutlich unter den Gefrierpunkt. Entsprechend lesen sich die Hilfslisten: Bis Freitagfrüh trafen nach Angaben der Staatsmedien mehr als 3.200 Zelte, rund 4.300 Steppdecken, 1.000 Fertighaus-Einheiten, Winterkleidung und sogar knapp 700 traditionelle tibetische Mäntel ein. Notstromaggregate sollen die Versorgung sichern, während Trupps Straßen, Brücken und lockere Felshänge überprüfen.

Wie hoch der Schaden insgesamt ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Bewertung laufe weiter, hieß es aus Nagqu.

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