Brennende Container, geplünderte Läden, verletzte Polizisten: Barcelonas Innenstadt hat am Samstagabend Szenen erlebt, die man bisher eher aus Paris kannte. Rund 500 meist schwarz gekleidete junge Leute waren zur Plaça de Catalunya gekommen. Angemeldet war die Versammlung nicht, der Aufruf „gegen das System“ hatte sich vor allem über TikTok verbreitet.

Was folgte, überraschte selbst erfahrene Einsatzkräfte. Kaum hatte sich die Menge gesammelt, flogen Gegenstände auf die Beamten der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra, Barrikaden gingen in Flammen auf. Die Feuerwehr rückte zu 33 Bränden aus, 23 Geschäfte wurden beschädigt oder ausgeräumt. Erst gegen 22 Uhr war das letzte Feuer gelöscht.

Die Bilanz vom Sonntag: 128 Festnahmen, darunter 72 Minderjährige, die meisten 16 oder 17 Jahre alt. Nur zwei der Festgenommenen waren zuvor polizeilich aufgefallen, sechs sind Frauen. Fünfzehn Polizisten wurden verletzt, vier davon schwer. Die Beamten stellten Messer, Sprühdosen, Sturmhauben, Pyrotechnik und Steine sicher.

Polizeichefin Sílvia Catà sprach von „grundloser Gewalt“. Die Jugendlichen seien nicht gekommen, um Rechte einzufordern, sondern um Polizisten zu verletzen und Schäden anzurichten. Ihre Ermittler gehen davon aus, dass organisierte Accounts auf TikTok die Teilnehmer gezielt anwarben; danach sei der Aufruf in geschlossene Telegram- und WhatsApp-Gruppen gewandert. Dass die Randalierer aus Frankreich angereist seien, wies sie zurück – es handle sich um Menschen, die in Katalonien leben.

Bürgermeister Jaume Collboni verfolgte die Nacht aus der Einsatzzentrale und kündigte Klagen gegen die Verursacher der Schäden an. Innenministerin Núria Parlon sprach von einem Nachahmungseffekt: In Frankreich, Italien und Albanien waren Proteste zuletzt ebenfalls in Plünderungen gekippt. Gastronomen kritisierten den Polizeieinsatz als zu schwach.

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