Was die Polizei zunächst als Angriff mit zehn Toten meldete, entpuppt sich als eines der schwersten Massaker dieses Herbstes im Nordosten Nigerias. Im Dorf Binnari im Bezirk Karim Lamido, Bundesstaat Taraba, suchen Bewohner noch immer nach Vermissten, während die Opferzahlen von Tag zu Tag wachsen.
Die Angreifer kamen am Freitag, kurz nachdem die Gläubigen das Mittagsgebet beendet hatten. Nach Angaben eines Dorfvorstehers rollten sie auf rund 50 Motorrädern heran, jeweils zu zweit. Stundenlang schossen sie um sich, plünderten Läden und Häuser, nahmen Bargeld und Lebensmittel mit, zündeten Gebäude und Fahrzeuge an. Viele Einwohner flohen in den Busch oder zum Fluss.
Die Polizei bestätigte zehn Leichen mit Schusswunden und schickte Verstärkung aus Armee und Spezialeinheiten. Doch nach weiteren Suchen meldet die Gemeinde inzwischen 50 Tote: 27 Leichen seien im umliegenden Buschland gefunden worden, 13 weitere, überwiegend Kinder, in einem Fluss und dessen Nähe. Manche ertranken offenbar auf der Flucht. Amnesty International spricht von mindestens 40 Opfern und von Toten, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt seien.
Laut Anwohnern drangen die Bewaffneten aus dem benachbarten Bundesstaat Plateau ein; Binnari sei bereits dreimal überfallen worden. Ein Gemeindevertreter verweist auf ein strukturelles Problem: Es gebe kaum befahrbare Straßen, Sicherheitskräfte erreichten den Ort im Notfall nur schwer. Der Anführer einer örtlichen Jägervereinigung fordert bessere Waffen für die Selbstverteidigung.
Amnesty verlangt eine unabhängige Untersuchung und wirft den Behörden vor, ländliche Gemeinden schutzlos zu lassen; reine Verurteilungen reichten nicht. Taraba gilt zwar als Teil des von Dschihadisten geplagten Nordostens, leidet aber vor allem unter Banditen und Konflikten zwischen Bauern und Viehhirten.
