Wenn am Abend in Bulgarien die Wahllokale schließen, steht das wahrscheinlichste Ergebnis schon fest: Es geht in die Verlängerung. Bei der Präsidentenwahl am Sonntag zeichnet sich eine schwache Beteiligung ab, und das macht eine Entscheidung im ersten Durchgang nahezu unmöglich.

Die bulgarische Verfassung stellt zwei Hürden auf. Ein Kandidatenduo aus Präsident und Vize braucht mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, und zugleich muss mehr als die Hälfte der rund 6,6 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt haben. Davon ist das Land weit entfernt: Laut Meinungsforschern hatten bis 16 Uhr Ortszeit erst 18,5 Prozent ihre Stimme abgegeben, spürbar weniger als bei der letzten Präsidentenwahl 2021. Erwartet wird eine Gesamtbeteiligung unter 40 Prozent. Die Stichwahl wäre dann am 1. November.

So viele Bewerber wie nie, nämlich 27 Gespanne, stehen auf dem Stimmzettel, doch im Kern läuft alles auf ein Duell hinaus. Favoritin ist Amtsinhaberin Ilijana Jotowa, die im Januar das Amt von Rumen Radew übernahm, als dieser in die Parlamentspolitik wechselte. Radew ist inzwischen Regierungschef, seine Partei Progressives Bulgarien unterstützt Jotowa, die Gesprächen mit Moskau das Wort redet. Umfragen sehen sie bei grob 40 bis 47 Prozent. Gewänne sie, wäre sie die erste vom Volk gewählte Präsidentin des Landes.

Ihr wichtigster Gegner ist der Ökonom Andrej Gjurow, früher Vizechef der Notenbank und Anfang 2026 Übergangspremier. Er wird von der proeuropäischen Opposition getragen und unterzeichnete als Regierungschef ein Sicherheitsabkommen mit Kiew. Beobachter halten ihn in einer Stichwahl für gefährlicher als im ersten Durchgang.

Dominiert haben den Wahlkampf die Inflation, hohe Energiepreise und Drohnenangriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste. Erste Prognosen gibt es nach Schließung der Wahllokale um 20 Uhr Ortszeit, vorläufige Ergebnisse am Montag.

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