Drei Wochen lang galt Luiz Inácio Lula da Silva als angeschlagen. Am Sonntagabend stand er dann in São Paulo mit erhobener Nationalflagge vor jubelnden Anhängern: Brasiliens Präsident hat die Stichwahl gewonnen und regiert ab dem 5. Januar 2027 eine vierte Amtszeit lang – das hat vor ihm noch kein Staatschef des Landes geschafft.
Laut dem Wahlgericht TSE kam der 80-Jährige nach Auszählung aller Urnen auf 51,79 Prozent der gültigen Stimmen, rund 64,3 Millionen. Herausforderer Flávio Bolsonaro, Senator und Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, landete bei 48,21 Prozent. Bemerkenswert ist die Wende: Im ersten Wahlgang Anfang Oktober lag Bolsonaro mit 47,03 zu 45,16 Prozent vorn. Dass jemand eine solche Niederlage im zweiten Durchgang noch dreht, gab es seit der Rückkehr zur Demokratie nicht.
Den Ausschlag gab offenbar die Mobilisierung. Die Wahlenthaltung sank von gut 21 auf rund 19 Prozent. Kurz vor der Abstimmung hatte der Kongress zudem eine Verfassungsänderung beschlossen, die Beschäftigten zwei freie Tage pro Woche ohne Lohneinbußen zusichert – ein Vorhaben, für das Lula geworben hatte.
Überschattet wurde der Wahltag von einem Streit über die Öffnungszeiten. Lulas Lager beklagte, in mehreren Städten seien Wähler mangels Bussen nicht zu den Wahllokalen gekommen; Bolsonaros Team verwies auf Starkregen im Süden. Bundesrichter Cristiano Zanin verlängerte die Abstimmung daraufhin bis 19 Uhr. Genau das nimmt der Verlierer nun als Begründung: Er nannte das Ergebnis „unerklärlich“ und will es juristisch anfechten. Eine Präsidentenwahl wurde in Brasilien allerdings noch nie annulliert.
Lula selbst gab sich versöhnlich. Seine vierte Amtszeit solle die werden, in der er „am meisten auf das brasilianische Volk“ höre, sagte er.
