Schon am Vormittag war klar, dass dieser Wahltag in Israel kein gewöhnlicher ist. Bis 10 Uhr Ortszeit hatten nach Angaben des Zentralen Wahlausschusses 16,7 Prozent der Berechtigten abgestimmt – mehr als zum selben Zeitpunkt vor vier Jahren (15,9 Prozent) und so viel wie seit 1981 nicht mehr. Rund 7,3 Millionen Menschen dürfen über die 120 Sitze der Knesset entscheiden; 37 Listen treten an. Es ist die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 und den Kriegen in Gaza, im Libanon und gegen den Iran.

Im Kern geht es um eine Person. Benjamin Netanjahu, 77 Jahre alt und schon heute der am längsten amtierende Regierungschef des Landes, strebt eine siebte Amtszeit an. Herausgefordert wird er vor allem von Gadi Eisenkot, dem früheren Generalstabschef, der mit seiner erst im Vorjahr gegründeten Partei Yashar an der Spitze eines bunten Oppositionslagers steht. Dazu zählen auch Naftali Bennett mit seiner Liste „Gemeinsam“, Avigdor Lieberman und der linke Ex-General Yair Golan.

Die letzten Umfragen sahen beide Lager fast gleichauf, doch keines kommt demnach auf die 61 Mandate, die für eine Mehrheit nötig sind. Zünglein an der Waage könnten die beiden arabischen Listen sein – mit ihnen koalieren wollen die meisten jüdischen Parteien allerdings nicht.

Den Wahlkampf prägten die Sicherheitslage, die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung des 7. Oktober und der Streit über die Wehrpflicht ultraorthodoxer Männer. Laut einer Umfrage von Kanal 12 nennen viele Wähler aber Wirtschaft und Lebenshaltungskosten als wichtigstes Thema. Netanjahu sagte bei der Stimmabgabe in Jerusalem, es sei ein „schicksalhafter Moment“.

Die Wahllokale schließen um 22 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ), dann folgen die ersten Prognosen der Sender. Weil viele Stimmen von Soldaten erst am Mittwoch ausgezählt werden, kann sich das Bild über Nacht noch verschieben. Eine Regierungsbildung dürfte Wochen dauern.

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