Drei Tage nach dem tödlichen Angriff auf eine Trauerfeier in einer griechisch-orthodoxen Kirche hat Jordanien zurückgeschlagen – jenseits der eigenen Grenze. Kampfjets der jordanischen Luftwaffe griffen am Montagabend nach Armeeangaben Verstecke „terroristischer Gruppen“ im Süden Syriens an. Viele Mitglieder seien getötet oder verletzt und mehrere Fahrzeuge zerstört worden, hieß es aus Amman, ohne die Gruppen zu benennen.
In Syrien klingt die Bilanz anders. Der Zivilschutz meldete Einschläge an mindestens vier Orten in den Provinzen Daraa und Suwaida und sieben Tote, darunter drei Kinder und eine Frau. Allein in einem Zelt im Dorf Al-Tai starb fast eine ganze Familie. Unter den weiteren Opfern waren ein 80-jähriger und ein 60-jähriger Mann.
Auch über die Abstimmung gibt es zwei Versionen. Jordanien erklärte, man habe in Koordination mit der syrischen Regierung gehandelt. Damaskus widersprach: Es habe weder Absprache noch Vorwarnung gegeben, man ermittle nun selbst. Ein Vertreter des Außenministeriums nannte die Angriffe „verräterisch“. Kurz darauf stoppte Syrien jeglichen Personen- und Warenverkehr am Übergang Nassib – der einzigen Verbindung dieser Art zwischen beiden Ländern.
Auslöser ist das Blutbad vom Freitag in Karak, rund 90 Kilometer südlich der Hauptstadt. Drei Bewaffnete hatten dort das Feuer auf Trauergäste eröffnet, neun Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. König Abdullah II. kündigte die härtesten Strafen an und ließ die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen. Am Montag nahmen Sicherheitskräfte nach einem etwa dreistündigen Schusswechsel zwei Brüder und deren Schwager fest; die Verdächtigen wurden dabei schwer verletzt.
Für die christliche Minderheit des Landes, rund 300.000 Menschen, war der Anschlag ein Schock. Für das Verhältnis zwischen Amman und Damaskus beginnt nun eine heikle Phase.
