Die wirbelnden Sterne über dem Dorf gelten als Inbegriff künstlerischer Fantasie. Ein Team aus Südkorea glaubt nun, dass Vincent van Gogh für „Die Sternennacht“ sehr genau hingeschaut hat – und zwar etwa einen Monat später, als Kunsthistoriker bisher annahmen. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Geleitet hat die Arbeit Elijah Jeong-hyun Kim, Chef eines Teleskopherstellers in Seoul. Seine Gruppe rekonstruierte den Himmel über Saint-Rémy-de-Provence, wo der Maler 1889 in einer Heilanstalt lebte. Ihr Ergebnis: Rund um den 22. Juli 1889 stand vor Sonnenaufgang eine schmale Mondsichel am Himmel, ganz wie im Bild. Im Osten gingen zugleich die Venus und der Sternhaufen der Hyaden im Stier auf. Wetteranalysen deuten darauf hin, dass die Sicht in jenen Nächten klar war.

Damit greift die Studie ein altes Rätsel auf. Üblicherweise wird das Gemälde auf Juni 1889 datiert, kurz nach van Goghs Einzug in die Anstalt. Mitte Juni aber war der Mond keine dünne Sichel, worauf der mexikanische Physiker José Luis Aragón hinweist, der selbst über das Bild geforscht hat. Er lobt die Arbeit als sorgfältig und fachübergreifend, sieht das Juli-Datum aber eher als „faszinierende Hypothese“ denn als gesicherte Antwort.

Der wichtigste Einwand: Van Gogh malte nicht am Fenster, sondern im Atelier, aus Skizzen und Erinnerung. Der Himmel könnte also aus mehreren Nächten zusammengesetzt sein, was auch die Autoren einräumen. Kim lässt sich davon nicht beirren. Kein Himmel gleiche dem anderen, schrieb er, und er wette auf den 22. Juli.

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