Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat eine bittere Marke überschritten. Nach Angaben der Behörden sind inzwischen mehr als 10.000 Infektionen bestätigt, Ende vergangener Woche meldete das nationale Gesundheitsinstitut 9.964 Fälle. Fast jeder zweite Erkrankte stirbt; die Sterblichkeit liegt bei rund 48,6 Prozent. Betroffen sind acht Provinzen, ausgelöst wird die Epidemie von der Bundibugyo-Variante des Virus. Ausgerufen wurde der Ausbruch im Mai.
Was die Eindämmung so schwer macht, zeigt ein Vorfall aus Bafwasende in der Provinz Tshopo. Dort wurde am Freitag ein erfahrener Krankenpfleger getötet, der für das örtliche Krankenhaus Aufklärung über die Seuche leistete. Er und ein Lehrer, der ebenfalls in der Gesundheitsarbeit mitwirkte, hielten an einem Grundstück, als Nachbarn sie beschuldigten, Wasserstellen und Toiletten zu verseuchen. Junge Männer mit Macheten und Knüppeln gingen auf die beiden los. Der Pfleger starb noch vor Ort, sein Begleiter überlebte schwer verletzt.
Seitdem schlafen die Pflegekräfte der Stadt aus Angst im Krankenhaus, bewacht von der Polizei; zeitweise rückte auch die Armee an. Ein lokaler Gesundheitsbeamter zeigte sich fassungslos, dass ausgerechnet ein bekanntes Gesicht der Gemeinde zum Opfer wurde. Wenige Tage zuvor hatte ein Mob das Haus eines anderen Aufklärers angezündet.
Die Vereinten Nationen warnen, dass solche Angriffe den Zugang zu Behandlung und Impfungen gefährden. Der UN-Ebola-Koordinator Julien Harneis nannte den Tod des Pflegers einen Verlust für den Kampf gegen das Virus und „einen noch größeren Verlust für die Patienten“. Gerüchte und Falschinformationen kursieren in der Region schon lange: Bereits vor dem Ausbruch waren in Tshopo Gesundheitsarbeiter getötet worden, denen man die Verbreitung einer erfundenen Krankheit vorwarf.
