Drei Tage nach seiner Niederlage gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat Flávio Bolsonaro Brasilien den Rücken gekehrt. Am Mittwochvormittag Ortszeit stieg der Senator mit seiner Frau Fernanda und den beiden Töchtern auf dem Executive-Flughafen Opa-locka bei Miami aus einer Gulfstream. Damit ist eingetreten, was er selbst noch am Montag ausgeschlossen hatte: „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen“, hatte der 45-Jährige damals versichert.
Die Route der Familie lässt sich inzwischen gut nachzeichnen. Am Dienstagabend gegen 22.50 Uhr überquerte sie bei Foz do Iguaçu die Grenzbrücke ins argentinische Puerto Iguazú. Die argentinische Migrationsbehörde betont, alle vier hätten gültige Dokumente vorgelegt. Bolsonaro selbst wies sich dort nach Angaben von CNN Brasil mit seinem italienischen Pass aus. Eine gute halbe Stunde später hob ein Charterflugzeug der Firma Baires Fly ab, tankte in Guayaquil in Ecuador nach und flog weiter nach Florida.
Brisant ist vor allem die Einreise in die USA. Öffentlich einsehbare Daten der US-Grenzschutzbehörde CBP zeigen, dass Bolsonaro dort seinen brasilianischen Diplomatenpass benutzte. Genau dieses Dokument hatte die Bundespolizei einen Tag zuvor für ungültig erklärt, nachdem Bolsonaro der Anordnung von Richter Alexandre de Moraes nicht gefolgt war, beide Pässe binnen 24 Stunden abzugeben. Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche; der Senator bestreitet jedes Fehlverhalten.
Washington hatte den Weg vorab geebnet: Das Außenministerium kündigte Visa für die ganze Familie an, Präsident Donald Trump begrüßte die Ankunft ausdrücklich. Für die Beziehungen zwischen den beiden größten Staaten des Kontinents ist das eine weitere Belastung, denn Lula wirft den USA schon länger vor, mit dem Bolsonaro-Clan gemeinsame Sache zu machen.
Die Szene weckt Erinnerungen an Vater Jair Bolsonaro, der nach seiner Niederlage 2022 ebenfalls nach Florida reiste und später wegen Putschplänen zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Für Flávio läuft die Zeit: Mit dem Ende seines Senatsmandats im Februar verliert er die parlamentarische Immunität.
