Für vier Stunden stand am Freitag in Oleschky ein Fenster offen. Wer die zerstörte Kleinstadt am linken Dnipro-Ufer im Gebiet Cherson verlassen wollte, konnte bis 14 Uhr Ortszeit in einen der bereitgestellten Busse steigen. Es ist die erste gemeinsame Hilfsaktion Russlands und der Ukraine seit Beginn der großen Invasion vor gut viereinhalb Jahren.
Möglich wurde sie durch eine örtlich begrenzte Feuerpause. Das Weiße Haus hatte sie am 23. Oktober verkündet, seit dem frühen Dienstagmorgen gilt sie, enden soll sie am Sonntagabend kurz vor 23 Uhr Kiewer Zeit. Als Vermittlerin tritt US-First-Lady Melania Trump auf. Nach Angaben ihres Büros erfuhr sie im September am Rande der UN-Vollversammlung von der Not der Stadt. Auch Papst Leo XIV. soll an den Gesprächen beteiligt gewesen sein.
Vor Ort arbeiteten die beiden Menschenrechtsbeauftragten zusammen: der Ukrainer Dmytro Lubinez und die Russin Jana Lantratowa. Minenräumer hatten zuvor die Zufahrten gesäubert. 25 Busse mit Platz für 750 Menschen, neun Krankenwagen und mehr als 50 russische Ärzte und Pfleger standen bereit. Kiews Regierung rechnete mit 527 Bewohnern, die auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zurückwollen.
Ihr Heimweg ist ein gewaltiger Umweg. Obwohl die ukrainischen Stellungen nur rund fünf Kilometer entfernt liegen, führt die Route über Armjansk auf der Krim ins südrussische Anapa, von dort mit einer Maschine des russischen Militärs ins belarussische Homel und schließlich per Bus in die Region Tschernihiw. Andere Evakuierte entschieden sich für Russland.
Mehrere Hundert Menschen bleiben in Oleschky, obwohl es dort weder Gas noch Strom noch fließendes Wasser gibt. Sie erhielten Lebensmittel, Hygieneartikel und Treibstoff für Generatoren. Lantratowa sprach am Abend von einem Ablauf „ohne Zwischenfälle“. Gemeinsam mit Lubinez bat sie Melania Trump, solche Missionen künftig regelmäßig zu koordinieren.
