In Riad schrillten am Donnerstag die Handys. Eine Warnmeldung teilte den Bewohnern der saudischen Hauptstadt mit, die Stadt sei einer „feindlichen Bedrohung aus der Luft“ ausgesetzt. Kurz darauf zählten Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP mindestens acht Detonationen. Auch für Kharj und das südliche Nadschran gab der Zivilschutz vorübergehend Alarm.
Am Abend erklärte Turki al-Maliki, Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, die Luftverteidigung habe zwei ballistische Raketen der Huthi-Miliz zerstört, die auf Riad gezielt hätten. Zu möglichen Schäden in der Stadt machte er keine Angaben.
Auf der anderen Seite der Grenze meldeten die vom Iran unterstützten Huthis schwere Verluste. Ihr Gesundheitsministerium sprach von zwölf Toten und drei Schwerverletzten, nachdem Häuser zweier Familien im Ort Al-Barah im Bezirk Maqbana getroffen worden seien. Insgesamt seien in den Provinzen Al-Dschauf und Taiz binnen 24 Stunden 27 Menschen getötet und 18 verletzt worden. Bereits am Mittwoch sollen bei saudischen Angriffen auf eine Tankstelle und einen Markt 14 Menschen ums Leben gekommen sein. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen nicht.
Die Eskalation hat eine Vorgeschichte. Im Juli zerbrach die seit 2022 geltende Waffenruhe, nachdem die Huthis eine iranische Maschine in Sanaa landen ließen. Seither haben sie eine Seeblockade gegen das Königreich ausgerufen, Schiffe und Ölanlagen angegriffen und die gesamte jemenitische Rotmeerküste erobert. Ein früherer Angriff auf den Flughafen von Riad legte diesen zwei Wochen lahm.
Nach UN-Angaben sind im Jemen seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe mehr als 1600 Menschen getötet und über 275.000 vertrieben worden. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Erst Anfang der Woche hatten sich hochrangige Vertreter Saudi-Arabiens und Irans in Teheran getroffen und vereinbart, Streitfragen im Dialog zu lösen.
