Viele Eltern kennen das Bild: Wenige Tage nach der Geburt bekommt das Baby eine gelbliche Haut, oft schimmert auch das Weiße der Augen gelb. Schuld ist Bilirubin, ein Abbauprodukt roter Blutkörperchen, das der Körper von Neugeborenen noch nicht schnell genug loswird. Bis zu 60 Prozent der reif geborenen und 80 Prozent der zu früh geborenen Kinder sind betroffen. Meist verschwindet die Gelbsucht von allein, bei sehr hohen Werten kann das Bilirubin aber ins Gehirn gelangen und bleibende Schäden anrichten.
Forschende der University of California in San Diego haben nun einen Baustein der Muttermilch identifiziert, der dabei offenbar eine Schlüsselrolle spielt: einen Zucker namens 3’-Sialyllactose, kurz 3’SL. Für ihre Studie im Fachjournal „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ nutzte das Team um den Pharmakologen Robert Tukey Mäuse mit menschlichen Genen für den Bilirubin-Abbau, die von Natur aus eine Neugeborenengelbsucht entwickeln.
Fehlte den Jungtieren der Zucker in der Milch ihrer Mütter, ging es ihnen deutlich schlechter. Sie überlebten seltener, wuchsen langsamer, hatten einen kürzeren Darm und eine stärkere Gelbsucht. Im Darm fand sich zudem viel weniger UGT1A1 – jenes Enzym, das Bilirubin so umbaut, dass der Körper es ausscheiden kann. Die Zellen der Darmschleimhaut blieben gewissermaßen in einem unreifen Zustand stecken.
Auffällig war auch ein Langzeiteffekt. Mäuse, denen ein Gen fehlte, das mit der Verfügbarkeit des Zuckers zusammenhängt, reagierten als erwachsene Tiere empfindlicher auf eine künstlich ausgelöste Darmentzündung. Tukey vermutet, dass die frühe Ernährung die Widerstandskraft des Darms dauerhaft prägt – und dass natürliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Milch erklären könnten, warum manche Babys stärker gelb werden als andere.
Noch handelt es sich um Tierversuche. Die Autoren sehen darin aber einen möglichen Ansatz, gefährdete Neugeborene künftig gezielt mit Milchzuckern zu unterstützen.
