Wer nach einem Langstreckenflug müde durch den Tag stolpert, ist nicht allein. Auch Vögel kennen offenbar so etwas wie Jetlag – und bei ihnen hat er handfeste Folgen für die Orientierung. Das zeigt eine Studie unter Leitung der Universität Oxford, die im Fachblatt „Science“ erschienen ist.
Untersucht wurde der Atlantiksturmtaucher, ein schwarz-weißer Seevogel, der auf Inseln vor Großbritannien brütet und zur Nahrungssuche bis zu 1000 Kilometer weit hinaus aufs Meer fliegt. Viele Tiere orientieren sich dabei an der Sonne. Weil deren Stand sich im Lauf des Tages ändert, brauchen sie eine innere Uhr, die zur Ortszeit passt. Fliegt ein Vogel aber schnell nach Osten oder Westen, verschiebt sich die lokale Sonnenzeit schneller, als sich sein Körper anpassen kann.
Dass dies den Sonnenkompass stören müsste, vermuteten Fachleute schon lange. Belegen ließ es sich in freier Natur bisher kaum. Das Team um den Biologen Tim Guilford stattete über 20 Jahre hinweg 1045 brütende Vögel mit winzigen GPS-Sendern aus und wertete 1837 durchgehende Heimflüge aus. Das Ergebnis: Die Kurse wichen genau so ab, wie es eine nachgehende innere Uhr erwarten ließ, um bis zu 15 Grad. Auf dem Weg nach Osten drifteten die Tiere im Uhrzeigersinn.
Überrascht hat die Forscher vor allem, dass der Fehler selbst in Sichtweite vertrauter Küsten bestehen blieb. Die Vögel verlassen sich also nicht allein auf Landmarken, sondern kombinieren verschiedene Hinweise. Für erfahrene Altvögel ist das kein Problem, der Umweg beträgt nur wenige Kilometer. Für Jungvögel auf ihrer ersten Reise könnte er dagegen mehr ins Gewicht fallen.
Die indische Chronobiologin Sangeeta Rani sieht darin eine Stärke: Wer mehrere Signale abwägt, findet sich auch in einer Landschaft zurecht, die sich durch Klimawandel und Bebauung verändert.
