Vier Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Abriegelung des gesamten besetzten Westjordanlands angeordnet. Die Stadt Hebron wurde am Freitag sofort abgesperrt, für das übrige Gebiet soll die Armee eine vollständige Schließung vorbereiten. Auslöser war ein Feuergefecht am frühen Morgen südlich von Jerusalem.

Nach israelischen Angaben eröffneten gegen 7.15 Uhr Ortszeit zwei Männer in der Nähe eines Kontrollpunkts bei Hebron das Feuer. Sie sollen mit einem Sturmgewehr vom Typ M16 und einer Pistole bewaffnet gewesen sein. Soldaten erschossen beide Angreifer. Der Rettungsdienst Magen David Adom versorgte mindestens fünf Verletzte, zwei von ihnen in kritischem Zustand. Augenzeugen zufolge zog sich der Schusswechsel rund zwanzig Minuten hin. Wer die Getöteten waren, blieb zunächst unklar.

Netanjahu sprach von einem vereitelten Großanschlag und machte die Hamas verantwortlich, ohne Belege vorzulegen. Den Terroristen rief er zu, sie hätten „keinen Ort, um sich zu verstecken“. Wahlkampftermine sagte er ab. Die Hamas lobte die Tat, bekannte sich aber nicht dazu.

Aus dem rechten Lager kamen sofort weitergehende Forderungen. Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir will die Palästinensische Autonomiebehörde auflösen lassen. Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte einen umfassenden Militäreinsatz im Westjordanland nach dem Vorbild Gazas. Hinweise auf eine Verbindung der Autonomiebehörde zu dem Angriff gibt es nach Medienberichten nicht.

Die Lage in dem Gebiet war schon vorher angespannt. Während der laufenden Olivenernte häufen sich Übergriffe radikaler Siedler auf palästinensische Bauern. Die Vereinten Nationen zählten allein in den ersten beiden Oktoberwochen mindestens 160 solcher Angriffe, eine palästinensische Behörde kommt für den Zeitraum vom 1. bis 21. Oktober sogar auf 409 Vorfälle. Am Donnerstag nahm die Armee bei Razzien 36 Palästinenser fest.

Für Netanjahu fällt die Eskalation mitten in die Schlussphase des Wahlkampfs. Die Abstimmung am kommenden Dienstag gilt als Urteil über seine Sicherheitspolitik seit dem 7. Oktober 2023.

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