In der kanadischen Provinz Alberta wird an diesem Montag abgestimmt – und die heikelste Frage auf dem Stimmzettel betrifft nichts Geringeres als den Zusammenhalt des Landes. Die Wahllokale öffnen um 9 Uhr Ortszeit, also um 17 Uhr deutscher Zeit. Insgesamt zehn Fragen liegen den Wählerinnen und Wählern vor.
Bei der letzten geht es um die Unabhängigkeit, allerdings nicht in Form eines klaren Ja oder Nein. Zur Wahl stehen zwei Varianten: Alberta bleibt eine Provinz Kanadas – oder die Provinzregierung leitet das von der Verfassung vorgeschriebene Verfahren für eine spätere, verbindliche Volksabstimmung über die Abspaltung ein. Selbst ein Erfolg der zweiten Option wäre also kein Austritt, sondern der Auftakt zu einem langwierigen rechtlichen Prozess.
Auch die übrigen Fragen bergen Zündstoff. Fünf betreffen die Zuwanderung, etwa mehr Kontrolle durch die Provinz und eine mögliche Gebühr für Menschen mit befristetem Aufenthaltsstatus, die Kliniken und Schulen nutzen. Regierungschefin Danielle Smith brachte für die Gesundheitsversorgung 1900 kanadische Dollar ins Gespräch. Weitere Punkte: ein Staatsbürgerschaftsnachweis bei Provinzwahlen, die Auswahl von Richtern durch die Provinzen und die Abschaffung des nicht gewählten Senats in Ottawa.
Umfragen sprechen für ein deutliches Votum zugunsten Kanadas. Das Institut Abacus Data ermittelte unter 1021 Befragten 68 Prozent für den Verbleib, nur 24 Prozent wollen den Weg zur Trennung öffnen. Premierminister Mark Carney warb bei einer Kundgebung in Calgary ebenso für ein klares Ergebnis wie die oppositionellen Konservativen – eine seltene Einigkeit.
Erledigt wäre das Thema damit kaum. 61 Prozent der Befragten rechnen damit, irgendwann erneut über die Abspaltung abstimmen zu müssen; lediglich 14 Prozent glauben, dass für eine Generation Ruhe einkehrt. Smith hat eine weitere Abstimmung während ihrer Amtszeit ausgeschlossen, doch die Unabhängigkeitsbewegung kündigt an, weiterzukämpfen. Nach dem Gesetz über Bürgerinitiativen wäre ein neuer Anlauf ab Oktober 2028 möglich.
Erste inoffizielle Ergebnisse werden in der Nacht zu Dienstag deutscher Zeit erwartet, das amtliche Endergebnis am 29. Oktober.
