Zwischen Seoul und Kiew wird es frostig. Das südkoreanische Außenministerium hat am Dienstag entschieden, etwa die Hälfte des Personals seiner Botschaft in der Ukraine abzuziehen. Schon am 8. Oktober war Botschafter Park Ki-chang zurückbeordert worden.
Hintergrund ist ein Auftritt von Wolodymyr Selenskyj vor der UN-Vollversammlung Ende September. Dort machte der ukrainische Präsident öffentlich, dass zwei in der Ukraine gefangen genommene nordkoreanische Soldaten nach Südkorea gebracht worden waren. Seoul pocht darauf, dass Vertraulichkeit vereinbart gewesen sei, und verlangt eine Erklärung, eine Entschuldigung und die Zusage, dass sich so etwas nicht wiederholt. Aus Kiew hieß es dagegen, eine solche Abmachung habe es nie gegeben; Außenminister Andrij Sybiha erklärte die Sache am 12. Oktober für erledigt.
Ministeriumssprecher Park Doo-soon begründete den Schritt mit ausbleibenden Signalen der Ukraine und mit der Gefahr durch Raketen- und Drohnenangriffe im ganzen Land. Südkoreanische Medien merkten an, dass diese Bedrohung seit Kriegsbeginn 2022 besteht, ohne dass Seoul bisher Personal abgezogen hätte.
Ganz geschlossen wird die Vertretung nicht. Geschäftsträger Yoon Ji-wan bleibt in Kiew, ebenso alle Mitarbeiter der Konsularabteilung. Sie kümmern sich weiter um die rund 85 Südkoreaner, die sich noch in der Ukraine aufhalten. Wann die übrigen Diplomaten ausreisen und wie viele es genau sind, ließ das Ministerium offen. Die humanitäre Hilfe und die Unterstützung beim Wiederaufbau sollen weiterlaufen.
Teilweise geräumt hat Südkorea Botschaften zuletzt in Libyen 2015 und in Afghanistan 2021. Damals ging es allein um die Sicherheitslage, nicht um einen Konflikt mit der Regierung des Gastlandes.
