In Kenias Hauptstadt ist am Freitag ein Hochhaus in sich zusammengebrochen, das sich noch im Bau befand. Das Unglück ereignete sich gegen 13.40 Uhr Ortszeit an der 9th Street im Stadtteil Eastleigh, einem dicht bebauten Wohn- und Marktviertel, das als Zentrum der somalischen Gemeinschaft Nairobis gilt. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie das Gebäude einstürzt und gewaltige Staubwolken über die Straßen ziehen.
Wie viele Menschen unter den Trümmern liegen, war zunächst unklar. Nach Angaben aus dem Büro von Gouverneur Johnson Sakaja war nur das Erdgeschoss bereits genutzt; im Keller sollen Geschäfte gewesen sein, auf den oberen Etagen arbeiteten Bauleute. Ein Anwohner sagte der Nachrichtenagentur AFP, viele Arbeiter seien zum Freitagsgebet in der Moschee gewesen – womöglich ein glücklicher Umstand. Über die Höhe des Gebäudes gingen die Angaben auseinander, sie reichten von gut zehn bis 18 Stockwerken.
Rettungskräfte des Roten Kreuzes und Bagger arbeiteten sich durch den Schutt. Eine Frau wurde lebend geborgen und ins Krankenhaus gebracht. Die Hilferufe einer weiteren Person, die unter den Trümmern zu hören gewesen waren, verstummten nach Polizeiangaben später. Die Bergung wurde zusätzlich erschwert, weil Plünderer benachbarte Läden ausräumten; die Polizei setzte Tränengas ein, um das Gelände zu räumen. Sakaja bat Schaulustige eindringlich, den Helfern Platz zu machen.
Die Ursache ist noch offen. Nairobi erlebt einen rasanten Bauboom, und immer wieder wird Behörden vorgeworfen, Baugenehmigungen ohne gründliche Kontrollen zu erteilen. Zwischen 2009 und 2019 zählte ein staatliches Forschungsinstitut 86 Gebäudeeinstürze in Kenia mit rund 200 Toten. Bei einer Prüfung von fast 15.000 Bauten stufte die nationale Bauaufsicht knapp drei Viertel als unsicher ein.
