Drei Tage nach dem spektakulären Einbruch bei der weltgrößten Kryptobörse hat Washington einen Namen genannt. Am Samstag erklärte das FBI, hinter dem Angriff auf Binance stehe Nordkorea. Die Bundespolizei spricht von einer Beute im Wert von mehr als sechs Milliarden US-Dollar und ordnet die Tat einer Gruppe zu, die sie intern „TraderTraitor“ nennt.
Was am Nachmittag des 29. Oktober geschah, beschreiben Analysefirmen als präzise geplante Operation. Laut der Blockchain-Firma Elliptic flossen binnen rund drei Stunden Werte von etwa 6,4 Milliarden Dollar über elf verschiedene Blockchains aus den sogenannten Hot Wallets der Börse ab. Zum Vergleich: Beim Hack der Plattform Bybit im Frühjahr 2025, ebenfalls Pjöngjang zugeschrieben, waren es knapp 1,5 Milliarden. Elliptic hält den aktuellen Fall für den größten Einzeldiebstahl, der je verübt wurde, ob digital oder analog.
Die Spur nach Nordkorea legten die Ermittler nicht allein über das Ausmaß. Ein Teil der Beute landete auf denselben Konten wie Geld aus dem Bitget-Hack vom September, den Fachleute bereits dem Regime zugeordnet hatten. Hinzu kommen typische Muster: lange Vorbereitung, gezieltes Ausspähen von Mitarbeitern und automatisierte Skripte, die rund um die Uhr Gelder umschichten. Binance selbst sprach zunächst vom kompromittierten Laptop eines Technikers, inzwischen von einem vielschichtigen Angriff mehrerer Täter.
Ganz verloren ist das Geld nicht. Weil viele der gestohlenen Token Stablecoins wie USDT und USDC waren, konnten deren Herausgeber Konten sperren. Elliptic zählt eingefrorene oder beschlagnahmte Mittel von rund 2,85 Milliarden Dollar. Den Rest tauschen die Hacker nach Angaben des FBI vor allem in Ether, das sich nicht blockieren lässt.
Die Behörde hat deshalb eine Liste verdächtiger Adressen veröffentlicht und Börsen sowie Dienstleister aufgefordert, Transaktionen damit abzulehnen. Die US-Regierung geht seit Jahren davon aus, dass Nordkorea mit solchen Raubzügen sein Waffenprogramm mitfinanziert. Binance hat am Sonntag begonnen, Auszahlungen schrittweise wieder freizugeben, zuerst für Bitcoin.
