Spider-Man, Frankenstein und Plakate mit bitterem Witz: Viele der jungen Leute, die am Samstag in Frankreich auf die Straße gingen, hatten sich für Halloween verkleidet. Es war bereits das dritte Wochenende in Folge, an dem Schülerinnen, Studierende und Gewerkschaften gegen teure Lebenshaltung und marode Schulen protestierten. Und wie zuvor endete der Tag in mehreren Städten mit Tränengas.
Über die Größe der Bewegung gehen die Zahlen weit auseinander. Das Innenministerium zählte landesweit 320.000 Teilnehmende, davon 70.000 in der Hauptstadt. Die Jugendverbände, darunter Unef und Fage, sprachen von fast einer halben Million, 200.000 allein in Paris. Klar ist nur: Eine Woche zuvor waren es nach Behördenangaben noch 410.000 gewesen.
Der Pariser Zug war nach einem Rechtsstreit an den östlichen Stadtrand verlegt worden. Als er sein Ziel erreichte, kippte die Stimmung. Vermummte Gruppen brachen Pflastersteine heraus und warfen sie auf die Polizei, Mülltonnen brannten. Ein Polizist wurde von einem Brandsatz getroffen; Innenminister Laurent Nuñez nannte das einen „Mordversuch“ und machte linksextreme Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Bis zum späten Abend meldete sein Ministerium 565 Festnahmen. Auch in Lyon und Toulouse setzte die Polizei Tränengas oder Wasserwerfer ein. Rund 70.000 Einsatzkräfte waren im ganzen Land unterwegs.
Begonnen hatte alles im September mit Schülern, die gegen bröckelnde Gebäude, fehlende Lehrkräfte und ein als ungerecht empfundenes Zulassungsverfahren für Universitäten demonstrierten. Inzwischen haben sich Gelbwesten und Gewerkschaften angeschlossen, und die Forderungen reichen bis zum Schutz des Demonstrationsrechts.
Der Regierung von Premier Sébastien Lecornu fehlt das Geld für große Zugeständnisse, die Wirtschaft steht am Rand einer Rezession. Die Studierendenverbände kündigten für Dienstag und Donnerstag Blockaden von Schulen und Hochschulen an, für den 5. November rufen die Gewerkschaften zu einem landesweiten Aktionstag auf. Präsident Emmanuel Macron ließ wissen, Wahlen und nicht die Straße sollten die Debatte entscheiden.
