Ein Geländewagen, ein Messer im Fußraum und eine schwer verletzte Politikerin: In der Kleinstadt Wangaratta im Nordosten des Bundesstaats Victoria ist am Montag die parteilose Parlamentarierin Helen Haines direkt vor ihrem Büro von einem weißen Toyota LandCruiser erfasst worden. Nach deutscher Zeit war es etwa 6.30 Uhr morgens, vor Ort früher Nachmittag.

Die 65-Jährige wurde mit dem Hubschrauber nach Melbourne gebracht und dort notoperiert, wegen schwerer Verletzungen am Unterkörper. Die Polizei stuft ihren Zustand als kritisch ein. Ihre Familie bedankte sich bei Helfern und Rettungskräften und bat darum, ihre Privatsphäre zu achten.

Festgehalten wurde der mutmaßliche Fahrer, ein 43 Jahre alter Mann aus dem Nachbarort Tarrawingee, von einem Passanten. Erst danach übernahmen Beamte. Ob der Zusammenprall Absicht war, prüfen die Ermittler noch. Premierminister Anthony Albanese hat daran offenbar wenig Zweifel: Es sei „kein Unfall“ gewesen, sagte er im Fernsehen. Eine gemeinsame Antiterror-Einheit von Bund und Land wurde eingeschaltet, über ein Motiv will bislang niemand spekulieren.

Quer durch das politische Spektrum reagierten Regierung und Opposition entsetzt, vom konservativen Oppositionsführer Angus Taylor bis zur Rechtspopulistin Pauline Hanson. Innenminister Tony Burke nannte eine bedrückende Zahl: Die Meldungen über Drohungen und Belästigungen gegen Amtsträger stiegen zuletzt binnen eines Jahres von 951 auf 1067. Albanese mahnte, Meinungsverschiedenheiten gehörten in die Debatte und nicht ins Persönliche. Ausdrücklich sprach er sich dafür aus, dass Abgeordnete weiterhin ohne Bodyguards im Supermarkt oder auf der Straße ansprechbar bleiben sollen – in Australien bislang eine Selbstverständlichkeit, politische Gewalt dieser Art ist dort äußerst selten.

Haines vertritt seit 2019 den ländlichen Wahlkreis Indi. Bevor sie in die Politik wechselte, arbeitete die Bauerntochter jahrzehntelang als Krankenschwester, Hebamme und Gesundheitsforscherin. In Canberra gilt sie als eine, die Lager zusammenbringt – genau das macht den Angriff für viele Australier so verstörend.

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