Seit Jahrzehnten ringen Staaten mit derselben Frage: Wohin mit den abgebrannten Brennelementen, die noch zehntausende Jahre strahlen? Finnland hat als erstes Land eine Antwort, die jetzt auch rechtlich abgesegnet ist. Die Regierung in Helsinki erteilte dem Unternehmen Posiva am Donnerstag die Erlaubnis, sein Tiefenlager Onkalo zu betreiben – weltweit die erste Genehmigung dieser Art.

Die Anlage liegt bei Olkiluoto in der Gemeinde Eurajoki an der Westküste. Über Tage steht eine Fabrik, in der die Brennstäbe in Kupferbehälter verpackt werden. Darunter führt ein Tunnelsystem rund 430 Meter tief in uraltes Granitgestein. Dort sollen die Kapseln in Bohrlöcher gesenkt und mit quellfähigem Bentonit-Ton umhüllt werden. Fels und Ton bilden zusammen die Barriere für die ferne Zukunft.

Die Genehmigung gilt bis Ende 2070 und deckt bis zu 6.500 Tonnen Uran aus den Kraftwerken Olkiluoto und Loviisa ab. Das entspricht etwa 3.300 Behältern; im Vollbetrieb sind bis zu 60 pro Jahr vorgesehen. Eingelagert werden soll bis in die 2120er-Jahre, danach wird das Bergwerk verfüllt und verschlossen, und die Verantwortung geht an den Staat über.

Losgehen kann es allerdings noch nicht sofort. Zunächst muss Posiva die Inbetriebnahme abschließen, und die Strahlenschutzbehörde STUK muss in einer eigenen Inspektion bestätigen, dass alle Sicherheitsauflagen erfüllt sind. Einen Starttermin nennt das Unternehmen bewusst nicht. Innerhalb von zehn Jahren ist zudem eine neue Sicherheitsbewertung fällig.

Posiva-Chef Ilkka Poikolainen nannte den Beschluss „historisch“. Das Projekt wurde über mehr als 40 Jahre vorbereitet. Viele Länder, darunter Deutschland, suchen noch nach einem Standort – sie dürften genau beobachten, wie sich Onkalo im Alltag bewährt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert