Der größte Ölkonzern der Welt schickt auch seine letzten Leute vor Ort nach Hause. Saudi Aramco hat am Donnerstag angeordnet, das Hauptquartier im ostsaudischen Dhahran vollständig zu verlassen. Wer bisher noch im Gebäude Dienst tat, soll bis auf Weiteres von daheim arbeiten. Das berichteten Reuters und AFP unter Berufung auf mehrere Insider; der Konzern selbst äußerte sich zunächst nicht.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Bereits Anfang Oktober hatte ein Huthi-Angriff den Komplex schwer getroffen, ein Feuer breitete sich damals über mehrere Etagen aus. Seither war ein Großteil der Belegschaft ohnehin im Homeoffice, nur ein harter Kern blieb vor Ort. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wäre es die erste Räumung der Zentrale seit Beginn des Iran-Krieges. Warum gerade jetzt, blieb offen.

Der Kontext spricht allerdings für sich. Am Mittwochabend kamen bei einem Angriff auf den Flughafen von Dammam, nur wenige Kilometer entfernt, zwei Menschen ums Leben. Am Donnerstag erklärte Huthi-Sprecher Jahja Sari im Fernsehen, man habe Aramco-Anlagen in der Hafenstadt Janbu am Roten Meer sowie das Verteidigungsministerium in Riad ins Visier genommen. Riad bestätigte das nicht; die von Saudi-Arabien geführte Koalition meldete lediglich abgefangene Drohnen über der Hauptstadt und über Medina.

Die Märkte reagierten prompt. Der saudische Leitindex TASI gab um rund 2,5 Prozent nach. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise auf mehr als 112 Dollar je Fass – so viel wie seit Mitte Mai nicht mehr.

Damit ist der 2022 unter UN-Vermittlung geschlossene Waffenstillstand zwischen Riad und den Huthi endgültig Makulatur. Die Miliz verhängte Mitte Juli eine Seeblockade gegen das Königreich, Saudi-Arabien antwortet seither mit Luftschlägen auf Raketenstellungen im Jemen. Für die Golfregion bedeutet das eine weitere Front im ohnehin eskalierten Konflikt um Iran.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert