Teheran erhöht den Druck auf die Schifffahrt im Golf weiter. Die Marine der iranischen Revolutionsgarden behauptet, in der Nacht zum Donnerstag seien gleich sieben Schiffe beschädigt worden. Unabhängig bestätigt ist bislang keiner der Vorfälle – sollte die Zahl stimmen, wäre es jedoch der folgenschwerste Tag für die Meerenge seit Beginn des Krieges Ende Februar.
Nach der Darstellung der Revolutionsgarden hatten ihre Einheiten vier Tanker verfolgt, die zuvor eine von Iran nicht genehmigte Route genommen hatten. Im Norden des Persischen Golfs hätten die Schiffe Öl von Bord zu Bord umgepumpt; alle vier seien gleichzeitig getroffen worden und stünden in Flammen. Drei weitere Schiffe seien westlich der Meerenge auf Seeminen gelaufen, hätten Feuer gefangen und seien liegen geblieben.
Zweifel an den Angaben bleiben. Die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO verzeichnete für die vergangenen 24 Stunden keine sieben Angriffe. Gemeldet wurde dort zuletzt ein Tanker, den am Mittwoch rund elf Seemeilen vor dem omanischen Bukha ein Geschoss unbekannter Herkunft traf. Die Behörde räumt allerdings selbst ein, dass viele betroffene Reedereien Vorfälle gar nicht mehr melden.
Hinzu kommt eine offene Drohung: Sollten die USA ihre „Provokationen“ fortsetzen, werde sich die Konfrontation auf amerikanische und verbündete Stützpunkte in der Region ausweiten, ließ die Garde-Marine verbreiten. Washington blockiert seit Mitte Juli iranische Ölexporte auf See, Teheran wiederum verlangt von Schiffen eine Art Durchfahrtserlaubnis.
Für den Welthandel steht viel auf dem Spiel. Vor dem Krieg lief rund ein Fünftel des weltweit transportierten Öls durch die schmale Passage. Zugleich hält Iran an seinem Angebot fest, die Wasserstraße wieder zu öffnen – allerdings nur, wenn die USA Teherans Bedingungen akzeptieren. Für den Irak wurden mit Oman inzwischen eigene Korridore vereinbart.
