Wer am Sonntag durch die Madrider Altstadt wollte, musste sich die Straße mit Schafen und Ziegen teilen. Rund 1250 Schafe und 160 Ziegen zogen bei der 33. Fiesta de la Trashumancia durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt – doch in diesem Jahr auf einem ungewohnten Weg.
Der Grund liegt mitten in der Stadt: Auf der Puerta del Sol, dem symbolischen Kilometer null Spaniens, campieren seit rund drei Wochen Aktivisten, die gegen die Wohnungsnot protestieren. Die Hirten verzichteten deshalb auf den traditionellen Gang über den Platz und bis zum Rathaus an der Plaza de Cibeles. Stattdessen führte die Route von der Casa de Campo über den Puente del Rey, die Calle Mayor und die Plaza Mayor bis zur Calle de Toledo und wieder zurück.
Auch das Herzstück des Festes wanderte: Die symbolische Zahlung von 50 Maravedís pro tausend Tiere, festgehalten in einem Abkommen von 1418 zwischen den Viehzüchtern der Mesta und der Stadt, fand diesmal auf der Plaza de la Villa statt. Dort nahm Stadtrat Borja Carabante die alten Münzen entgegen, begleitet von Trachtengruppen und Musik.
Hinter dem Spektakel steckt ein ernstes Anliegen. Seit 1994 erinnern die Veranstalter daran, dass Spaniens Viehtriebwege, die sogenannten vías pecuarias, gesetzlich geschützte Korridore sind. Das Netz umfasst nach Angaben der Stadt rund 125.000 Kilometer. Wandernde Herden halten Weiden offen, fördern die Artenvielfalt und verringern Brennmaterial, das sonst Waldbrände anfachen kann.
Für die Zuschauer – Einheimische wie Touristen – zählte vor allem der Anblick: blökende Herden zwischen historischen Fassaden, Kinder auf den Schultern ihrer Eltern und Hirten, die ihre Tiere gelassen um die Ecken lotsten.
