Eingeschlagene Schaufenster, leer geräumte Supermärkte, Tränengas unweit des Doms: Mailand hat ein Wochenende hinter sich, wie es die Stadt lange nicht erlebt hat. Am Montag bestellte Regierungschefin Giorgia Meloni deshalb die Spitzen von Polizei und Nachrichtendiensten in den Palazzo Chigi nach Rom. Mit am Tisch: Innenminister Matteo Piantedosi, Verteidigungsminister Guido Crosetto und die beiden Vizepremiers.

Begonnen hatte alles mit Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. In Rom versammelte die Gewerkschaft CGIL nach eigenen Angaben über 100.000 Menschen auf der Piazza del Popolo; ihr Vorsitzender Maurizio Landini kündigte für den 20. November einen Generalstreik an. Die Wut richtet sich gegen teuren Sprit, hohe Stromrechnungen, stagnierende Löhne und fehlenden bezahlbaren Wohnraum.

In Mailand dagegen kippte die Stimmung. Vermummte Jugendliche bewarfen Einsatzkräfte mit Steinen, Flaschen und Leuchtfackeln und errichteten Barrikaden. Am Sonntag zogen kleine Trupps durch die Innenstadt, stürmten Läden, plünderten und tauchten wieder ab. Mehr als 200 Personen wurden festgehalten, rund 80 Prozent davon minderjährig. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden verabredeten sich viele kurzfristig über TikTok; Verbindungen zur radikalen Linken sehen die Ermittler bislang nicht. Auch in Turin, Bologna und Bergamo gab es Zusammenstöße.

Meloni kündigte „neue Instrumente“ gegen jene an, die Chaos stiften. Lega-Chef Matteo Salvini will die vorbeugende Haft für bekannte Gewalttäter auf Jugendliche ausweiten. Zugleich ist ein politischer Streit entbrannt: Piantedosi verspottete Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala als „Radical Chic“, nachdem dieser eine zu geringe Polizeipräsenz beklagt hatte. Oppositionsführerin Elly Schlein hielt der Regierung vor, mit den Krawallen die Stimmen Tausender übertönen zu wollen, die friedlich demonstrieren, weil sie mit ihrem Geld nicht mehr auskommen.

Der Blick nach Frankreich, wo Proteste zuletzt ebenfalls in Gewalt umschlugen, macht Rom nervös. Spätestens am Tag des Generalstreiks wird sich zeigen, ob sich die Lage beruhigt hat.

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