Der erste benannte Herbststurm der Saison hat Westeuropa kräftig durchgeschüttelt. Sturm Austen – in Deutschland vom Wetterdienst „Luise“ getauft – zog in der Nacht zum Freitag vom Atlantik über den Ärmelkanal und traf vor allem die Bretagne mit voller Wucht. An der Pointe du Raz im Finistère maßen Meteorologen Böen von 161 Kilometern pro Stunde, auf der Insel Ouessant 158. Mehrere Stationen verzeichneten neue Oktober-Rekorde.
Die Folgen waren erheblich. Am Freitagmorgen saßen rund 161.000 französische Haushalte im Dunkeln, die meisten davon in der Bretagne, dazu Zehntausende in den Pays de la Loire und der Normandie. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Feuerwehren rückten zu Hunderten Einsätzen aus. In der Normandie stellte die Bahn den Verkehr für den ganzen Tag ein, an der Seine-Mündung galten Einschränkungen auf großen Brücken wie dem Pont de Normandie. Fähren zwischen Frankreich, Irland und den Kanalinseln fielen aus, am Flughafen Nantes wurden Flüge gestrichen. Météo-France rief für 23 Départements die zweithöchste Warnstufe Orange aus, darunter Paris.
Auch Großbritannien bekam den Sturm zu spüren. Die stärkste Böe registrierte das Met Office mit 122 km/h auf den Scilly-Inseln, ähnlich heftig blies es an der Küste von Dorset und auf der Isle of Wight. Im Südwesten Englands waren zeitweise mehr als 16.000 Haushalte ohne Strom. Rekordwerte erreichte Austen auf der Insel allerdings nicht.
Experten weisen darauf hin, dass Bäume nach dem trockenen Sommer anfälliger sind und auch schwächere Böen sie entwurzeln können. Durchatmen können die Menschen nur kurz: Mit Sturm Boelo kündigt sich bereits für das Wochenende das nächste Tief mit Wind und viel Regen an, diesmal vor allem für Schottland, Nordengland und Nordirland.
