Seit Tagen klagen Menschen in Dubai, Schardscha und den nördlichen Emiraten über beißenden Treibstoffgeruch. Jetzt ist klar, woher er kommt: Ein Ölteppich treibt auf die Küste der Vereinigten Arabischen Emirate zu und ist bei Umm al-Kaiwain bereits an Land gespült worden. Das Umweltministerium ließ alle Strände und Küstenabschnitte des Emirats vorübergehend schließen, auch Schardscha sperrte vorsorglich den Strand von Al Hamriya, Ras al-Chaima machte seine Strände ebenfalls dicht.
Als Quelle gilt der Rohöltanker Gem No. 2. Das unter panamaischer Flagge fahrende, rund 330 Meter lange Schiff war am 9. und 10. Oktober nahe der Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen worden und in Brand geraten; die 22 indischen Seeleute an Bord wurden gerettet. Satellitenaufnahmen zeigen, dass zunächst nur wenig Öl austrat. Innerhalb von zwei Tagen wuchs der Fleck dann auf mehr als 35 Kilometer Länge an.
Die Behörden betonen, der Geruch sei gesundheitlich unbedenklich. Wer am Strand auf Öl stößt, soll aber Abstand halten, Fischer sollen die betroffenen Gewässer meiden. Spezialteams versuchen, das Öl mit Barrieren einzudämmen und belastete Abschnitte zu säubern.
Meeresforscher sind besorgt. Der Teppich bewegt sich auf die Inseln Siniyah und Khor Al Beidah zu, ein international anerkanntes Schutzgebiet mit Korallen, Seegraswiesen, Salzmarschen und Grünen Meeresschildkröten. Wie groß der Schaden wird, hängt von der Menge und Art des Öls ab und davon, wie schnell es verdunstet. Erfahrungen aus dem Golfkrieg 1991 zeigen, dass Teerreste an Stränden und in Mangroven jahrelang bleiben können.
Der Fall ist ein weiteres Beispiel dafür, wie der Konflikt um die Straße von Hormus inzwischen auch die Umwelt am Golf belastet.
